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Digitalisierung: Herausforderungen und wie Unternehmen sie bewältigen

Das Potenzial, das mit der Digitalisierung von unternehmensinternen und wirtschaftlichen Prozessen einhergeht, ist riesig. Effizienzsteigerungen, Produktinnovationen und Umsatzsteigerungen werden durch den Einsatz digitaler Technologien ermöglicht. In Deutschland werden bis Ende des Jahres 2017 21.000 neue Stellen in der Digitalwirtschaft entstehen, so eine Prognose des Branchenverbandes Bitkom. Doch die Digitalisierung stellt Unternehmen und Mitarbeiter auch vor große Herausforderungen, die es zu meistern gilt, wenn man als Gewinner aus diesem Prozess hervorgehen möchte.

Herausforderung 1: Know-how

Bitkom sieht bei der Entwicklung von digitalen Kompetenzen großen Bedarf. Schon in Schule, Aus- und Weiterbildung sollten Digital- und Medienkompetenz vermittelt werden. Denn sonst wird die Digitalisierung durch den steigenden Fachkräftemangel ausgebremst: Bereits heute gibt es 51.000 offene Stellen im IT-Bereich, Tendenz steigend.

Vor allem die ältere Generation sieht die Digitalisierung mit großer Skepsis. Laut einer Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung fürchten sich 81 Prozent der Deutschen vor dem beruflichen Abseits, 84 Prozent glauben an steigende Gehaltsunterschiede in Folge der Digitalisierung und ganze 42 Prozent glauben, dass die Digitalisierung vor allem negative Auswirkungen haben wird.

Aufgabe von Politik, Arbeitgebern und Arbeitnehmern ist es daher, Mitarbeiter und Führungskräfte fit zu machen für den digitalen Wandel, z.B. durch

  • Weiterbildungsangebote, die von Mitarbeitern und vom Management (!) wahrgenommen werden
  • Einsatz von Managementmethoden, die Kreativität und Innovation fördern
  • gezieltes Eingehen auf den einzelnen Mitarbeiter, seine Persönlichkeit, sein Potenzial

Um den extrem komplexen Digitalisierungsprozess erfolgreich zu gestalten, bedarf es nicht nur technischen Know-hows, sondern vor allem der richtigen Einstellung. Denn auch wenn es langfristig ohne die Einführung digitaler Strukturen nicht geht: Erstmal sind Investitionen und möglicherweise schmerzhafte Transformationsprozesse gefragt.

Herausforderung 2: Notwendige Investitionen ohne sofortigen RoI

Berater, Umstrukturierungen, technisches Equipment und eine technologische Infrastruktur kosten Geld – und das oft ohne sofortigen Return on Investment. Vor allem für KMU kann das zum Problem werden. Sie stehen vor einem Dilemma: Investieren sie in digitale Infrastruktur, fehlen die Mittel an anderer Stelle. Tun sie es nicht, werden sie langfristig Absatzchancen verlieren und Marktanteile verlieren. Drei Viertel der Mittelständler halten Digitalisierung für ein wichtiges oder sogar sehr wichtiges Thema. Trotzdem haben nur 20 Prozent der mittelständischen Betriebe mit der Vernetzung von Produkten und Dienstleistungen begonnen. Ebenfalls 20 Prozent verfügen über eine Digitalisierungsstrategie. Vor allem kleine Unternehmen (unter zehn Beschäftigte) investieren unter 10.000 Euro jährlich in die digitale Transformation, so eine Studie im Auftrag der KfW-Bankengruppe.

Doch auch große Unternehmen sind spät dran: Laut einer McKinsey-Studie zur Industrie 4.0 setzen sich viele Firmen erst jetzt, wo die Digitalisierung bereits in vollem Gange ist, mit konkreten Technologien und Neuerungen wie Big Data oder dem Internet of Things (IoT) auseinander. Lediglich 14 Prozent des jährlichen Forschungsetats investieren sie in für die Industrie 4.0 relevante Themen – obwohl sie sich ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 20 Prozent erhoffen, so die Studie. Auch im internationalen Vergleich haben deutsche Firmen hier noch großen Nachholbedarf: US-Unternehmen investieren mehr als doppelt so viel in die Umsetzung der Digitalisierung.

Laut der zitierten KfW-Studie sehen die meisten deutschen Unternehmen nicht die Finanzierung an sich, sondern ihre Höhe in Bezug auf den zu erwartenden Nutzen für Mitarbeiter, Geschäftspartner und Kunden. Hier herrscht noch große Skepsis vor, die nur durch verstärkte Aufklärung und Information überwunden werden kann.

Herausforderung 3: Datensicherheit

Vernetzte Produkte und Maschinen erheben und speichern große Datenmengen. Im Bereich Datensicherheit sehen 62 Prozent der mittelständischen Unternehmen ein Problem. Hier ist die Politik gefragt: Regulierung und Vorgaben in Bezug auf Datenschutz und Datensicherheit können hier Klarheit schaffen, ebenso wie gesetzliche Vorgaben zu Haftungsrisiken.

Unternehmen müssen zudem Maßnahmen ergreifen, die Kompetenzen im Bereich Risiken aufbauen. Auch im IT-Bereich müssen Unternehmer und Politik in Aus- und Weiterbildung zusammenarbeiten und investieren.

Herausforderung 4: Digitalisierung ist eine Frage der Einstellung

Skepsis und Desinformation auf Führungsebene sind die größten Hemmnisse der Digitalisierung. Ein Unternehmen wird nicht zum digitalen Vorreiter, indem es einzelne digitale Elemente einführt. Eine Gesamtstrategie, die alle Unternehmensbereiche und Abteilungen miteinbezieht, ist unabdingbar. Viele große Unternehmen wie TUI, McDonalds oder L’Oréal haben dafür bereits einen Chief Digital Officer (CDO) eingestellt, der mit im Vorstand sitzt. Er leitet die unternehmensübergreifende Digitalisierungsstrategie.

Ob ein CDO tatsächlich notwendig ist, müssen Unternehmen prüfen. Entscheidend ist aber, dass eine Gesamtstrategie vorhanden ist, die die Führungsebene konsequent verfolgt und im Prozess mit gutem Beispiel vorangeht. Denn Digitalisierung ist eine Einstellung, die in der Unternehmenskultur verankert sein muss. Die Digitalisierung gelingt nur einem offenen und transparenten Transformationsprozess, der alle miteinbezieht.

Herausforderung 5: Führungskultur

Digitalisierung bedeutet Vernetzung – das widerspricht in vielen Firmen der Unternehmenskultur. Denn noch bedeutet Führung viel zu oft eine top-down-Struktur der Befehlsgabe und -ausführung. Digitale Vernetzung hingegen erfordert

  • flache Hierarchien: Strenge Hierarchien schwächen das Innovationspotenzial von Unternehmen. Denn wenn es um Produktinnovationen geht, ist Zeit Geld. Gerade in der vernetzten digitalen Welt zählt Geschwindigkeit, wenn man Marktanteile erobern will.
  • Offenheit und Transparenz von Informationen: Nur wenn Informationen offengelegt werden, können Mitarbeiter sich an der strategischen Weiterentwicklung des Unternehmens beteiligen.
  • Fehler- und Kritikkultur: Eine offene Fehler- und Kritikkultur trägt dazu bei, dass Mitarbeiter Misserfolge und Missstände offen ansprechen, damit sie selbst und andere daraus lernen können. (Was eine Vertuschungskultur für Folgen haben kann, zeigt das Beispiel VW im Beitrag Was die interne Unternehmenskommunikation über Führungsstil und Unternehmenskultur aussagt – und welche Folgen das hat).
  • Vertrauen: Wenn Mitarbeiter durch digitale Technologien wie Social Media als Sprachrohr des Unternehmens auftreten, dann hebelt das den so genannten Cheffilter aus: Ihre Äußerungen sind öffentlich und tragen zum Image des Unternehmens bei. Deshalb müssen Führungskräfte ihren Mitarbeitern vertrauen – und dafür sorgen, dass sie zufrieden sind.

Die Einleitung und Umsetzung eines kulturellen Change-Prozesses ist dabei möglicherweise der schmerzhafteste und aufwändigste Teil auf dem Weg der Digitalisierung, der mitunter auch externer Begleitung bedarf. Doch die Etablierung einer modernen, transparenten und offenen Unternehmenskultur wird nicht nur zu einem erfolgreichen Digitalisierungsprozess, sondern auch zu einem nachhaltigen Erfolgskurs des Gesamtunternehmens beitragen.

(Quelle Coverbild: © Konstantin Herrmann / fotolia.com)

Wolfgang Schnober
Ronald Geiger