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„E-Learning kann Lernen persönlicher und flexibler gestalten“ – Kai Karin Baum im Interview

„Lebenslanges Lernen“ ist schon seit geraumer Zeit ein Schlagwort, wenn es um die Karriereentwicklung und die Qualifikation von Mitarbeitern geht. Mit der schnellen Entwicklung neuer Technologien ist der Stellenwert der ständigen Aneignung von neuen Kompetenzen und Skills jedoch noch einmal gestiegen. In diesem Zusammenhang entstehen seit etwa 20 Jahren nun digitale Lernformate, die versprechen, Weiterbildung zeitlich und örtlich flexibel zu ermöglichen. Kai Karin Baum beschäftigt sich vielen Jahren mit dem Thema E-Learning und hat im kürzlich erschienen Sammelband „Der Enterprise Transformation Cycle“ einen Beitrag zum Thema veröffentlicht.

E-Learning ist eine sinnvolle Ergänzung zu Präsenzformaten

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Kai Baum ist TCI Partner und hat sich auf E-Learning in Unternehmen und Bildungsmanagement spezialisiert. (Bild: © Kai Baum / bmc)

Katja Heumader: Die Aneignung immer neuer Qualifikationen ist aufgrund des rasanten technologischen Fortschritts heute immens wichtig im Berufsleben. Welchen Beitrag kann E-Learning hier leisten?

Kai Karin Baum: Das Berufsleben jedes Einzelnen hat deutlich geändert. Von den Mitarbeitern wird ein hohes Maß an Flexibilität gefordert. E-Learning kann heute aufgrund neuer Technologien das Lernen persönlicher und flexibler gestalten. D.h. jeder Teilnehmer kann individuell nach seinen Bedürfnissen lernen und die Lerninhalte passend zu seinem eigenen Lernstil wählen. Das hat den wunderbaren Nebeneffekt, dass die Lernmotivation deutlich höher ist. Zusätzlich ist es durch E-Learning möglich, Lerninhalte mit dem richtigen Medium zum Teilnehmer zu bringen. So sind heute kurze Videos effektiver als ewig lange Texte.

KH: E-Learning hat den Vorteil, dass Lernende und Lehrende flexibel sind. Doch die Abbrecherquote bei reinen Fernlehrgängen ist hoch: 90 Prozent führen sie nicht zu Ende. Wie können diese Nachteile kompensiert werden?

KKB: Das ist eine gute Frage. Die Abbrecherquote entsteht dadurch, dass den Teilnehmern der soziale Aspekt fehlt. Reines Online-Lernen kann den sozialen Kontakt zu den Trainern und Dozenten nicht ersetzen. Dies muss deutlich hervorgehoben werden. E-Learning ist eine sinnvolle Ergänzung zu bisherigen Präsenzschulungen! Aus diesem Grund bin ich von Blended-Learning-Formaten überzeugt. Dies ist eine Kombination aus Präsenz und Online. Mit Blended-Learning ist es den Teilnehmern möglich, soziale Kontakte zu pflegen und sich auszutauschen. Die Abbrecherquote in diesen Konzepten ist verschwindend gering.

Weiterbildung stärkt Mitarbeiter und Unternehmen

KH: Vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen, wenn sie E-Learning zur innerbetrieblichen Weiterbildung etablieren wollen?

KKB: Die Herausforderungen sind sehr vielseitig. Eine Herausforderung ist die notwendige Infrastruktur, z.B. in Form eines Learning Management Systems, kurz LMS. Diese müssen den aktuellen Anforderungen eines individuellen Lernstils entsprechen und sind in vielen Unternehmen sehr kostspielig. Weiter sind hier die notwendigen Ressourcen für die Gestaltung und Entwicklung von E-Learning-Konzepten und Inhalten zu nennen, was aufgrund des Fachkräftemangels schwierig zu kompensieren ist. Eine dritte Herausforderung liegt an der Konzeptionierung von flexiblen Konzepten, die auch auf die Lerntypen, Altersgruppen und Medienaffinität der Teilnehmer ausgelegt sein müssen.

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Der Enterprise Transformation Cycle. (Bild: © TCI GmbH 2017)

KH: Wie kann der ETC hier als Modell unterstützen?

KKB: Der ETC kann als Modell eine grundlegende Struktur für die Einführung und Weiterführung von E-Learning bereitstellen. Zusätzlich ist der große Vorteil an diesem Modell, dass der Einstieg an jedem Punkt des Zyklus‘ möglich ist und es nicht direkt von A bis Z durchgeführt werden muss. Das entspricht den Anforderungen an flexibles E-Learning. Deshalb ist der ETC für die Einführung von E-Learning-Konzepten und -Strukturen sehr empfehlenswert.

KH: Der ETC ist ein Konzept zur strukturierten Durchführung von Unternehmenstransformationen. Inwiefern ist die Einführung eines E-Learning-Konzeptes mit einer Transformation vergleichbar?

KKB: Dazu möchte ich gerne ein Beispiel nennen: Viele Unternehmen haben gut entwickelte Konzepte für Präsenzschulungen. Diese sind für die Teilnehmer meist mit einem hohen Zeitaufwand verbunden, da sie hierfür aus dem Arbeitsalltag gerissen werden. Hinzu kommt, dass sie meist auch noch reisen müssen. Durch die Transformation von Face-to-Face-Seminaren zu einem sinnvollen E-Learning kann dieser Zeitaufwand für die Teilnehmer deutlich reduziert werden, da sie sich aufgrund der neuen Technologien nicht an einem bestimmten Ort befinden müssen, sondern ganz nach ihren Bedürfnissen lernen können. Zusätzlich sparen Unternehmen hierdurch Kosten, da durch E-Learning mehrere Personen mit einem geringeren Mitteleinsatz erreicht werden können.

KH: Wie profitieren Unternehmen von der Einführung eines E-Learning-Konzeptes?

KKB: Unternehmen profitieren auf der einen Seite deutlich von motivierteren Mitarbeitern, die durch flexible und individuelle Schulungen immer am Puls der Zeit sind. Mitarbeiter sind nach wie vor das größte Gut der Unternehmen und sollten daher die bestmöglichen Schulungen nach ihren persönlichen Bedürfnissen erhalten. Unternehmen ist es dadurch möglich, den vielen Herausforderungen gestärkt zu begegnen und stabil am Markt zu bestehen.

KH: Liebe Frau Baum, ich danke Ihnen sehr für dieses interessante Gespräch.

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Bild: © Springer Gabler

„Der Enterprise Transformation Cycle“– erschienen Januar 2019

Die Transformation Consulting International begleitet seit vielen Jahren national und international Transformationsprojekte in Unternehmen. Aus dieser umfangreichen praktischen Erfahrung ist nun der Band „Der Enterprise Transformation Cycle“, erschienen im renommierten Springer-Verlag, herausgegeben von Mario A. Pfannstiel und Peter F.-J. Steinhoff, entstanden. In dem gut 400 Seiten umfassenden Sammelband schildern zahlreiche Autorinnen und Autoren in theoretisch-konzeptionellen Beiträgen sowie in Fallbeispielen aus der Praxis die umfangreiche Anwendbarkeit des agilen und flexiblen Ansatzes „Enterprise Transformation Cycle“.

 

Quelle Titelbild: © SFIO CRACHO | Fotolia

Kai Baum