Geschäftsmann wählt die digitale Karte Roadmap zwischen Business und Successs aus

Roadmap für die digitale Transformation: Der erfolgreiche Weg zum digitalen Unternehmen

Die Digitale Transformation verändert jeden Bereich unseres Lebens: Unsere Geschäfte, unsere Produkte und Prozesse und unsere Führung. Wir starten in eine neue Welt, die gewaltige Veränderungen mit sich bringt – und wir sind alle davon direkt oder indirekt betroffen. Mit genau diesen Wechselwirkungen befasst sich die TCI in einem eigenen Event, um aktuelle Themen zu diskutieren. Dazu lädt sie insbesondere die Entscheidungsträger im Mittelstand im September nach Montabaur* ein. An dieser Stelle vorab ein Interview zur Präsentation und Diskussion über Forschung und digitalen Technologie, Herausforderungen und Praxisbeispiele aus und für den Mittelstand: Walter Manns (WM) sprach mit Prof. Dr. Claus W. Gerberich (CG) über seinen Fachbeitrag „Roadmap Digitale Transformation – Der erfolgreiche Weg zum digitalen Unternehmen“ bei dieser exklusiven Veranstaltung.

Digitale Transformation im Unternehmensalltag – Interview mit Prof. Dr. Claus W. Gerberich

WM: Digitale Transformation oder Digitalisierung sind aktuelle Schlagworte, denen man kaum aus dem Weg gehen kann. Dabei sind die Vorstellungen hierzu sehr unterschiedlich und zum Teil auch sehr abstrakt. Herr Prof. Gerberich, können Sie kurz und prägnant erläutern, was mit diesem Buzzword alles gemeint ist?

CG: Die digitale Transformation ist die Anpassung aller Produkte und Prozesse und ihre systematische Vernetzung. Diese Vernetzung wirkt sowohl nach innen als auch nach außen. Durch die Digitalisierung gewinnen Daten an Bedeutung und an Wert. Das bedeutet wiederum: Wer die Daten in der Wertschöpfungskette besitzt, gewinnt an Einfluss und Macht. Die Digitalisierung umfasst alle Lebensbereiche und alle Funktionen des Unternehmens. Dadurch verschwinden bisherige Geschäftsmodelle und neue Geschäftsmodelle tauchen auf und gewinnen rasch an Bedeutung.

WM: Was bedeutet dann Digitale Transformation, oder was kann sie in diesem Kontext konkret für den Unternehmer und das Unternehmen als Ganzes bedeuten?

CG: Der Kunde wird in die Prozesse miteinbezogen und wirkt aktiv an der Gestaltung der Produkte und Services mit. Dabei taucht die augenscheinlich banale Frage auf: „Wer ist der Kunde?“ Die Antwort ist auf den ersten Blick ganz einfach: Der Kunde bestellt, erhält das Produkt und bezahlt. Neben dem direkten Kunden spielt aber immer stärker der Endkunde, der Nutzer, eine Rolle in der digitalisierten Welt. Ziel ist es, die gesamte Kundenkette zu kennen und zu steuern. Damit ist es wichtig, jedem Kunden und potenziellem Multiplikator in dieser Kette die auf ihn zugeschnittenen Leistungen anzubieten. Die Kundenkommunikation ist neu zu gestalten.

Erst die Digitalisierung schafft die Basis zur Steuerung der gesamten Kundenkette, um damit von der Push- zur Pull-Strategie zu kommen. Damit muss man wissen, welche Anforderungen und Erwartungen alle Partner/Influencer/Multiplikatoren in der Kundenkette haben und es gilt, sich mit der Value Proposition darauf einzurichten. Und dadurch kann sich das Unternehmen mit der kompletten Customer Journey des Kunden vernetzen und schafft neue Touchpoints im Kundenkontakt. Die Digitalisierung schafft die Basis für den permanenten Kundenkontakt in Echtzeit.

Das digitale Unternehmen

WM: Digitalisierung oder digitale Transformation wird häufig in erster Linie als eine technologisch getriebene Innovation verstanden; häufig in Verbindung mit Produkten und/oder Fertigungsprozessen. Ist das so oder steckt da mehr dahinter?

CG: Digitalisierung wird durch neue Technologien angestoßen und überhaupt ermöglicht. Die neuen Technologien sind die treibenden Kräfte – wer diese neuen Technologien nicht beherrscht, hat keine Chance im Markt. Aber: Der Kunde kauft keine Technologien, sondern Lösungen. Mit welchen Technologien die Lösung generiert wird, ist ihm ziemlich egal.

Daher muss das gesamte Unternehmen miteinbezogen werden, damit die Digitalisierung nicht nur ein Thema der Fertigung und Fertigungsverfahren ist. Teilweise können sich die Fertigungstechnologien auch so radikal verändern, dass vom alten Know-how nur noch wenig weiter genutzt werden kann. Die Investition in neue Technologien soll jedoch Wettbewerbsvorteile generieren und Differenzierungschancen im Markt schaffen.

WM: Was bedeutet für Sie „digitales Unternehmen“? Heißt das auch, dass die Unternehmen in ihrer heutigen Form nicht weiterbestehen werden/können?

CG: Es ist ein schönes Erlebnis, in Wien mit dem Fiaker zu fahren, aber der gesamte Geschäfts- und Reiseverkehr wird heute mit anderen Transportmitteln abgewickelt. Wir haben es heute mit disruptiven Innovationen und disruptiven Geschäftsmodellen zu tun, die die bisherigen radikal verdrängen werden. Einige wenige Nostalgiker werden in kleinen Märkten übrigbleiben.

Nach den wissenschaftlichen Untersuchungen des russischen Wissenschaftlers Kondratieff sind wir momentan im Übergang zu einem neuen Zyklus, der wie die bisherigen durch eine neue Basistechnologie, nämlich Big Data Information und Kommunikation, geprägt ist. Die alten Technologien und Geschäftsmodelle werden dadurch verdrängt, so wie auch in den vorangegangen Technologiezyklen. Das war in jedem bisherigen Zyklus der Fall – und der Digitale Wandel weist alle wichtigen Charakteristika auf.

Die Roadmap für die Digitale Transformation für den Mittelstand: So gelingt der Wandel!

WM: Der Titel Ihres Beitrages, Herr Prof. Gerberich, lautet „Roadmap Digitale Transformation“. Das suggeriert einen konkreten „Fahrplan der Digitalisierung“ für Unternehmen. Können Sie kurz Start, Ziel und die einzelnen Stationen dieses Fahrplans erläutern?

CG: Zunächst einmal ist die Digitalisierung eines Unternehmens kein Projekt, sondern ein Prozess, der nie aufhört. Es ist wichtig, diesen Prozess anzustoßen und darauf zu achten, dass der Prozess nach einem bestimmten Schema abläuft. Dabei hat jedes Unternehmen seine eigene DNA und der Digitalisierungsprozess wird immer einzigartig sein. Allerdings müssen bestimmte Aspekte immer berücksichtigt werden, sonst ist die Gefahr des Scheiterns zu groß.

Die Roadmap hat mit dem Kunden einen Anfangs- und Endpunkt, die das Unternehmen im Wandel jedoch in Loops immer wieder durchlaufen muss.

Den Kunden und seine Anforderungen zu kennen und zu erfüllen steht im Mittelpunkt und ist Start und Ziel des Digitalisierungsprozesses. Dieser muss aber alle Komponenten und Faktoren der unternehmerischen Existenz und des Handelns einbeziehen und auf dieses Ziel ausrichten. Je nach Komplexität des Prozesses und der Anzahl der einbezogenen Player können/müssen eine Vielzahl von Stationen vom Start zum Ziel durchlaufen werden.

Digitalisierung im Zeitraffer

WM: Es gibt durchaus nicht wenige Stimmen, die sagen: „Digitalisierung ist nichts Neues. Das gibt es schon 30, 40 oder 50 Jahre. Warum jetzt so ein Hype?“ Ist das so oder was ist heute anders, als bei der „Digitalisierung“ vor x Jahren?

CG: Die Digitalisierung machen wir schon immer. Schon immer versuchen die Unternehmen, Prozesse zu erfassen, zu messen und zu digitalisieren. So beschäftigen sich die Unternehmen über viele Jahrzehnte mit der optimalen Maschinenauslastung durch Berechnen der optimalen Losgröße. Ausgeblendet blieb dabei jedoch der Kunde, der nur ein Stück bestellte und wollte. So gibt es in allen Bereichen des Unternehmens Ansätze der Digitalisierung. Jedoch alle waren auf Teilfunktionen und Teilprozesse ausgerichtet. Der integrierte und vernetzte Ansatz fehlte. Diese Teilansätze der Digitalisierung haben das funktionale und Kästchen-Denken nur noch verstärkt.

Frederic Vester, der bekannte deutsche Biologe und Club of Rome-Autor (Original-Titel: „Die Kunst, vernetzt zu denken: Ideen und Werkzeuge für den Umgang mit Komplexität“) hat aber schon vor zehn Jahren in seinem Bericht an den Club of Rome gefordert, in Beziehungszusammenhängen zu denken und zu handeln. Denn das lineare Denken und Handeln ist ein Irrweg und in der Praxis funktioniert nicht.

Daher ist der heutige Ansatz ein völlig anderer, das gesamte Unternehmen ist vernetzt und ebenso sind alle Prozesse miteinander vernetzt. Ebenso endet die Digitalisierung nicht mehr an den Werktoren, sondern bezieht den Markt, den Kunden, die Lieferanten und die Supply Chain mit ein.

Die horizontale und vertikale Digitalisierung in Echtzeit führt zu grundlegend neuen Strukturen und Führungsansätzen. Die heutige Dimension der Digitalisierung ist daher eine vollkommen andere als die vielen einzelnen Digitalisierungsansätze der Vergangenheit. Die Unternehmen müssen sich komplett neu aufstellen.

WM: Herr Prof. Dr. Gerberich, vielen herzlichen Dank für diese spannenden Informationen und Einsichten. Wir freuen uns auf mehr bei Ihrem Fachvortrag „Roadmap Digitale Transformation“ bei der Veranstaltung am 24.09.2019 in Montabaur.

Das Interview mit Prof. Dr. Claus Gerberich führte Walter Manns.

Change Management im Digitalen Wandel: Nehmen Sie Teil!

Zu diesem brandaktuellen Thema richtet sich ein eigenes TCI-Event an Entscheidungsträger im Mittelstand. Das Ziel besteht darin, allen Teilnehmern die wertvolle Gelegenheit zu ermöglichen, über exakt die Aspekte zu sprechen, die für das eigene Unternehmen von zentraler Bedeutung sind. Für die genau richtigen Denkanstöße zum erfolgreichen Change Management: Weitere Informationen zu Ablauf und Teilnahme finden Sie auf unserer Eventseite auf XING sowie unter https://ocm-event.tci-partners.com/.

Die Atmosphäre bei TCI-Events: Einige Einblicke in die letztjährige Veranstaltung

Die TCI adressiert bei diesem exklusiven Event zum wiederholten Male hochaktuelle Themen und bietet insbesondere Entscheidungsträgern im Mittelstand die Möglichkeit zur Diskussion. Um einen Eindruck in die zugeschnittenen TCI-Veranstaltungen zu gewinnen, sehen Sie sich gern das Video zum Event an, das die TCI im September 2018 veranstaltete. Klicken Sie dazu einfach auf das Bild:

 


*Montabaur: Verkehrsgünstig gelegen an der A3 und ICE-Strecke zwischen Köln und Frankfurt – und der perfekte Veranstaltungsort für „Change Management im digitalen Wandel“.
Weitere Einblicke in die Veranstaltung erhalten Sie in weiteren spannenden Beiträgen im Rahmen des Events: „Digitaler Wandel, Digitalisierung, Digitale Transformation – nur Schlagworte oder mehr?“ sowie „Alle reden über Digitalisierung. Wir auch.

 

TCI Partner Professor Dr. Claus W. Gerberich
Professor Dr. Claus W. Gerberich spricht bei seiner Keynote zum TCI-Event „Change Management im digitalen Wandel“ über „Roadmap Digitale Transformation – Der erfolgreiche Weg zum digitalen Unternehmen“. (Bild: © Claus W. Gerberich | TCI GmbH)

Über Professor Dr. Claus W. Gerberich

Professor Dr. Claus W. Gerberich ist Partner der TCI und Inhaber des Lehrstuhls für Internationales Management und Controlling an der Hochschule in Worms. Er nimmt des Weiteren Lehraufträge an Universitäten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden wahr und ist als Aufsichtsrat in verschiedenen mittelständischen internationalen Unternehmen tätig. Das Mitglied des Präsidiums EWIF Verband europäischer Familienunternehmen ist einer der Fachredner beim TCI-Event „Change Management im digitalen Wandel“: Der Titel der Keynote von Professor Dr. Gerberich lautet „Roadmap Digitale Transformation – Der erfolgreiche Weg zum digitalen Unternehmen“.

 

(Coverbild: © duncanandison | stock.adobe.com)

Walter Manns