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SAFe®: Agilität erfolgreich in Unternehmen einführen – Interview mit Werner Siedl

In sich schnell wandelnden Märkten bringt Agilität viele Vorteile: Schnelle Anpassungen und Veränderungen unter enger Einbeziehung von Mitarbeitern und Kunden sind möglich. Der Enterprise Transformation Cycle (ETC) bietet ein solches agiles Vorgehen, da seine Phasen flexibel anwendbar sind und der Zyklus beliebig oft durchlaufen werden kann. Auf dem Weg zum lean-agilen Unternehmen gibt es jedoch noch weitere Ansätze, wie das Scaled Agile Framework (SAFe), das Werner Siedl in seinem Beitrag zum Sammelband „Der Enterprise Transformation Cycle“ detailliert vorstellt.

„SAFe® ist der umfangreichste und aktuellste Reiseführer zum lean agilen Unternehmen“

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Bild: © Werner Siedl

Katja Heumader: Die Digitalisierung hat in den vergangenen zehn bis 20 Jahren zu zahlreichen disruptiven Veränderungen geführt. Manche Unternehmen profitieren von diesen neuen Bedingungen, manche gehen unter. Wie können Unternehmen dafür sorgen, dass sie zur ersten Gruppe gehören?

Werner Siedl: Sie müssen es schaffen, dass das gesamte Unternehmen auf die Veränderungen schnell reagieren und sie mitgestalten kann. Das Scaled Agile Framework® gibt hier eine Anleitung, wie Agilität im gesamten Unternehmen eingeführt und gelebt wird. Ich bezeichne SAFe® gerne als umfangreichsten und aktuellsten Reiseführer zum lean agilen Unternehmen.

KH: Transformation, Anpassung und Gestaltung sind die wichtigsten To-Do’s für Unternehmen in Zeiten des rasanten Wandels. Mit welcher Vorgehensweise erreichen Unternehmen hier am meisten für sich?

WS: Wichtig ist, dass die Transformation ganzheitlich stattfindet, d.h. Bottom-up und Top-Down in allen Bereichen zusammenwirken. Dieser Ansatz gilt sowohl bei SAFe® als auch beim ETC. Beide basieren auf einem inkrementellen und iterativen Vorgehen, um auch in der laufenden Transformation Veränderungen stets berücksichtigen zu können. Den ETC benutze ich in der Top-Down Planung in den Transition Teams im Management zur Einführung von SAFe, um Hindernisse frühzeitig zu beheben und die Produktivität der agilen Teams schneller zu entfalten.

Kommunikation in cross-funktionalen Teams reduziert Fehler und Doppelarbeit

KH: Vernetzung und abteilungsübergreifendes Denken und Handeln sind zentrale Bausteine für künftigen Geschäftserfolg. Wie unterstützt SAFe® Mitarbeiter und Unternehmen dabei, dies zu implementieren?

WS: Das ist keine SAFe® Einzelmerkmal, sondern ein Merkmal vieler agiler Ansätze. Es wird in Cross-funktionalen Teams zusammen gearbeitet. Das Kernstück im SAFe® ist ein cross-funktionaler Agile Release Train (ART), in dem nicht nur agile Teams gebündelt sind, sondern alle beteiligten Personen der Wertschöpfungskette, die für ein Produkt notwendig sind. Diese Personen treffen sich regelmäßig in einem zweitägigen Programm Increment (PI) Planning, um die nächsten Schritte zu planen. Hier kommen bis zu 150 Personen aus der Entwicklung, dem Produktmanagement, den Business-Bereichen zusammen. Führungskräfte, Architekten, die Experten aus Qualität, Fertigung, Einkauf, Lieferanten oder auch Kunden sind ebenfalls dabei. Diese gemeinsame Interaktion und Kommunikation helfen Doppelarbeit, Risiken und Fehler frühzeitig zu vermeiden und die Effektivität und Effizienz zu steigern.

KH: Agiles Vorgehen ist also sowohl im Transformationsprozess selbst als auch als dessen Zielsetzung zentral. Agiles Projektmanagement ist schon seit vielen Jahren auf dem Vormarsch. Was aber ist das Besondere an SAFe®?

WS: Die wesentlichen Unterschiede zu anderen Skalierungsmethoden sind das zweitägige PI-Planning, was in der Zwischenzeit x-1000-fach verprobt wurde und die umfangreiche Dokumentation für alle Bereiche und Themen bezüglich Lean und Agile im Unternehmen. Deshalb nenne ich es auch gerne lean agiler Reiseführer, der derzeit ca. 5000 Seiten im Internet umfasst, ständig erweitert wird und fast zu jeder Herausforderung Ansätze und praktische Empfehlungen zur Verfügung stellt.

KH: SAFe® verbessert laut Ihrem Beitrag die Geschäftsergebnisse von Unternehmen weltweit. Allerdings hinkt Europa bei der Implementierung von SAFe® noch hinterher – die USA sind schon viel weiter. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

WS: Das ist einfach erklärt. Das SAFe® Framework gibt es erst seit 2011 und es stammt aus den USA. Erst musste es in Projekten erprobt und weiterentwickelt werden, bevor es sich als neues Framework in den USA und jetzt weltweit als Nummer 1 durchsetzt. Die verbesserten Geschäftsergebnisse sind nicht von Scaled Agile Inc., sondern aus den vielen Projektberichten „Case Studies“ von den Unternehmen.

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Der Enterprise Transformation Cycle. (Bild: © TCI GmbH 2017)

KH: Was würden Sie Firmen empfehlen, um SAFe® und den ETC-Ansatz einzuführen?

WS: Ich würde Unternehmen raten, sich zuerst mit den Ansätzen und deren Inhalten vertraut zu machen. Ich empfehle ein zweitägiges Leading SAFe-Training mit anschließendem Value Stream Workshop zu kombinieren, um aus der Theorie sofort konkrete Ableitungen für das eigene Unternehmen zu entwickeln. Das Investment ist sehr gering und die Teilnehmer bekommen einen sehr guten Eindruck, wie Agilität im ganzen Unternehmen funktionieren kann.

KH: Vielen Dank für die fundierten Einblicke in SAFe®. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihren Projekten.

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Bild: © Springer Gabler

„Der Enterprise Transformation Cycle“– erschienen Januar 2019

Die Transformation Consulting International begleitet seit vielen Jahren national und international Transformationsprojekte in Unternehmen. Aus dieser umfangreichen praktischen Erfahrung ist nun der Band „Der Enterprise Transformation Cycle“, erschienen im renommierten Springer-Verlag, herausgegeben von Mario A. Pfannstiel und Peter F.-J. Steinhoff, entstanden. In dem gut 400 Seiten umfassenden Sammelband schildern zahlreiche Autorinnen und Autoren in theoretisch-konzeptionellen Beiträgen sowie in Fallbeispielen aus der Praxis die umfangreiche Anwendbarkeit des agilen und flexiblen Ansatzes „Enterprise Transformation Cycle“.

Werner Siedl