Bild von der Seite auf Hinterreifen eines Autos auf der Straße, Untertitel des Bildes ist Secure Cloud im Automotive-Umfeld, Herausforderungen & Lösungsanszenarien

Secure Automotive Cloud: Die Alternative zum ERP-System-Wildwuchs

Wenn mehrere ERP-Systeme gleichzeitig im Unternehmen genutzt werden, ist das die Software-Variante des Spruchs: „Zu viele Köche verderben den Brei.“ Dennoch ist das die Realität in zahlreichen Unternehmen. Denn sobald sich die Datensätze unterscheiden, leiden alle Geschäftsbereiche darunter: Von Buchhaltung und Vertrieb über Procurement und Logistik bis hin zum Management, das anhand vermeintlich stimmiger Daten Entscheidungen treffen soll. Des Rätsels Lösung ist in diesem Fall eine sichere Cloud-Lösung, etwa in Gestalt der Secure Automotive Cloud. In diesem Beitrag fasst TCI Partner Bernd Ettelbrück die größten Herausforderungen zusammen, die bestehende ERP-Systeme allzu schnell mit sich bringen – und stellt einen Lösungsansatz mit beeindruckenden Vorteilen vor.

Das Dilemma mit bestehenden ERP-Systemen

Sie haben Funktionalitäten, Reports und Statistiken Ihres ERP-Systems über Jahre mit viel Geld und Zeit an Ihre unternehmensspezifischen Anforderungen angepasst. Die Wartungskosten steigen von Jahr zu Jahr und Ihr ERP-System ist längst nicht mehr das führende System, sondern Element eines Netzwerkes von Systemen für Ihre Produktdaten, für Ihre Logistik, für das Kunden- und Service Management. Die meisten Systeme verwalten ihre eigenen Datenbestände. Das jetzt zu konsolidieren und zu verbessern kostet sehr viel Geld und wird lange dauern. Weder haben Sie die Zeit dazu, noch möchten Sie das Geld dafür ausgeben, weil es an anderer Stelle fehlen könnte.

Wenn Sie sich in diesen Punkten wiedererkennen, können wir Ihnen aus Erfahrung sagen: Damit sind Sie nicht allein. Allgemein gesprochen lassen sich die Herausforderungen, in denen sich unsere Kunden sehen, fünf Bereichen zuordnen:

1. Dateneingabe

Manuelle und mehrfache Dateneingaben sind zeitraubend und fehleranfällig. Die Daten müssen in mehreren unabhängigen Systemen gepflegt werden und es existieren mehrere „führende“ Systeme mit dem Anspruch, die richtigen Daten zu besitzen. Denken Sie nur an Ihre Buchhaltungssoftware, die die korrekten Rechnungen druckt, während der Vertrieb Angebote an neue Ansprechpartner in anderen Standorten bei genau diesem Bestandskunden sendet.

2. Datenhaltung

Die Daten werden in mehreren Systemen gespeichert; aktuelle Kundendaten hat der Key Accounter natürlich auf seinem Rechner. Ein Rechenzentrum speichert nur wichtige zentrale Daten und natürlich solche, die man nicht dauernd im Zugriff haben muss. Ein Datensicherungskonzept gibt es nur für einige Abteilungen oder Systeme, nicht für das ganze Unternehmen.

3. Entscheidung

Leads wollen gesammelt, der Vertrieb gesteuert, die Ladelisten verwaltet werden: überall im Unternehmen gibt es Listen und sie enthalten die Daten, die man an dieser Stelle für genau diese Funktion braucht. Und dann fragt die Unternehmensleitung nach Daten und einer Aufstellung mit dem Ziel, eine bessere Geschäftslogik zu entwickeln. Selbstverständlich bekommt die Geschäftsführung dafür eine spezielle Liste, handgefertigt aus den Extrakten anderer Listen, weil die Zeit drängt und keine völlig neue Recherche gestartet wird. Ob die Daten wirklich vergleichbar sind, weiß letztlich niemand genau. Und die Zahlen aus der Budgetkontrolle und der Marketingerfolgsmessung sind letztlich nicht exakt vergleichbar; schlussendlich entscheidet die Geschäftsführung intuitiv.

4. Release-Wechsel

Softwareanbieter entwickeln installierte Produkte nicht mehr weiter und neue Releases werden angeboten. Durch die Individualisierung der Software sind neue Releases und Produktwechsel oft nicht finanzierbar, neue Technologien nicht nutzbar und das Zusammenspiel mit anderen Systemen ist gefährdet. Das ERP-System ist Teil eines Systemverbunds aus Produktdatenbanken, Logistiksystemen, Lagerinformationsdaten und Fertigungsrechnern. Es ist nicht mehr das einzige oder gar führende System.

5. Wartungskosten

Unternehmen investieren im Laufe der Zeit in mehrere Cloud-Lösungen. Geschützte Daten, zum Beispiel für die Entwicklung oder Komponentenaufschlüsselungen, werden private Cloud-Lösungen gewählt, manche sinnvolle Anwendungen sind nur als Cloud-Anwendungen verfügbar. So entsteht eine heterogene Cloud-Landschaft neben einigen on-premise-Lösungen. Alle Lösungen müssen gewartet werden. Das ist teuer.

Die Lösung ist eine sichere Cloud-Lösung

All diese Themen sind Zeichen eines Wildwuchses, der erfahrungsgemäß allzu leicht passieren kann. Um dieses ERP-System-Dilemma aufzulösen, bietet sich die Einführung einer sicheren Cloud-Lösung an. Insofern ist die Secure Automotive Cloud die zeitgemäße Antwort mit vier wichtigen Merkmalen:

1. Flexibilität

Eine Cloud-Lösung ist flexibel. Daten werden zentral gespeichert und sind einfach zu extrahieren. Engpässe treten kaum noch auf. Ein zentrales Monitoring passt die Kapazitäten an Datenmengen und Prozessanforderungen an.

2. Fokus

Cloud-Lösungen werden auf Branchen abgestimmt; 80 bis 95 Prozent der Standardbranchenprozesse werden je nach Hersteller durch Cloud-Lösungen abgedeckt. OEMs stellen zunehmend auf die Cloud um.

3. Wirtschaftlichkeit

Standardprozesse mit offenen Anwendungsschnittstellen arbeiten mit einheitlichen und kostengünstigen Workflows und bieten Kostensenkungspotenziale. Aufwendige Anpassungen durch individualisierte Prozesse entfallen ebenso wie hohe Anfangsinvestitionen.

Verglichen mit on-premise-Lösungen bietet die Cloud einen höheren ROI und macht aus konstanten Fixkosten flexible variable Kosten.

Bei on-premise-Lösungen machen die monatlichen Lizenzkosten neun Prozent der Gesamtkosten aus. Die laufenden Kosten sind nicht so offensichtlich, aber sehr hoch. Fast die Hälfte der monatlichen Kosten entfällt auf Anpassungen und deren Implementierung. Teure Hardware muss angeschafft und instandgehalten werden – das sind weitere 33 Prozent der laufenden Kosten. Mitarbeiter müssen geschult und weitergebildet werden – das ist Arbeitszeit, die bezahlt werden muss. Schließlich schlagen die Wartungskosten mit weiteren gut sieben Prozent zu Buche, die kontinuierlich mit dem Alter des Systems ansteigen.

Auch dies ist anders bei Cloud-Lösungen: die monatliche Nutzungsgebühr beträgt zwei Drittel der Kosten. Das dritte Drittel entfällt auf das Training und die Implementierung des Systems.

4. Aktualität und Sicherheit

Zentrale Updates und ständig neue Releases halten die Software aktuell. Darüber hinaus bieten Cloud-Lösungen mobile Anwendungen, was bei den meisten on-premise-Lösungen nicht funktioniert. Zudem sind Cloud-Lösungen sicher gegen Ausfälle und Angriffe dank hoher Standards und professionellem Service.

Des Weiteren gilt für den einzelnen Geschäftsbereich, dass

  • er das System schneller in Betrieb nehmen kann
  • einfacher Updates erhält
  • weniger Kapital bindet.

Zusammengefasst: Gut ein Fünftel der Betriebskosten spart man durch Standard-Industrieprozesse.

Secure Automotive Cloud: Vorteile und Beispiele

Eine Secure Automotive Cloud ist wartungsarm, da eigene Hardware entfällt. Die Cloud-Lösung wird zentral gesichert, Daten sind an mehreren Orten verteilt. Daten- und Informationssicherheit, die den hohen Anforderungen der Automobilindustrie gerecht wird, ist bereits jetzt über ein erfolgreiches VDA Assessment (TISAX) der Cloud-Infrastruktur der Amazon Web Services (AWS) gewährleistet. AWS und weitere große Anbieter arbeiten mit mehreren Firewalls und verschlüsseln den internen Datenverkehr. Das ist ein höherer Sicherheitsstandard als die meisten Anwenderunternehmen mit on-premise-Lösungen erfüllen und Zweifel an der Sicherheit von Cloud Lösungen äußern.

Hinzu kommt, dass Cloud-Lösungen kostengünstiger sind und weniger Kapital binden. Multi-Tenant-fähige beziehungsweise Mandanten-fähige Cloud-Lösungen sind flexibel skalierbar. Sie wachsen mit den Anforderungen und können auch schrumpfen, wenn vorübergehend weniger Leistung oder Datenvolumen gebraucht wird. Sie unterscheiden sich von sogenannten „Lift and Shift“-Lösungen, bei denen der Server im Unternehmen durch einen Server bei einem Cloud-Anbieter ersetzt wird.

Kunden nutzen jederzeit eine aktuelle Anwendung, denn der Betreiber der Cloud-Lösung profitiert selbst durch regelmäßige Updates und Modernisierungen, die seine Wartungskosten senkt. Außerdem sind Cloud-Lösungen nachhaltig. Ein Konzept aus einem Guss und offene Schnittstellen machen es einfacher, neue Technologien zu nutzen, wie zum Beispiel Blockchain oder Industrie 4.0.

Einen wichtigen zusätzlichen Auftrieb kann beispielsweise die Industrial Cloud geben, auf die sich VW und AWS (Amazon Web Services) geeinigt haben. Die strategische Partnerschaft der beiden Unternehmen vernetzt 122 VW-Werke und -Lager und soll die Produktion als wichtigen Wettbewerbsfaktor weiter stärken. Durch das Konsolidieren der Softwaresysteme und das Integrieren von Anwendungen bei Zulieferungen und Lagern soll die Produktion der VW-Fabriken bis 2025 um 33 Prozent steigen.

Erfolge mit der Secure Automotive Cloud

Hier sind einige Beispiele, die das Autorenteam bereits erfolgreich mit sicheren Cloud Services umsetzte:

Ein TecDAX-Unternehmen hat sich eine globale Dateistruktur vorgegeben und ein Dokumentenmanagement erstellt. Die Grundidee wurde mit einer Cloud-Architektur umgesetzt. Alle Daten sind nun weltweit aktuell und verfügbar. Der Vertrieb greift mobil auf Produkt- und Preisdaten zu, Logistiker optimieren Lagerbestände und die Produktmanager wissen, dass alle Produktmodifikationen stets aktuell für alle im Zugriff sind – weltweit.

Für einen der größten Automobilhersteller der Welt wurde ein mehrstufiger Migrationsprozess durchgeführt, um einen monolithischen Enterprise Portal Service in eine Multi-Tenant-fähige, hochskalierbare Cloud-Anwendung umzuwandeln. So bleibt ein Real-Time Monitoring und die Diagnose von mobilen Diensten sowie Back End Services bei steigenden Service- und Nutzerzahlen weiterhin einfach erweiterbar und performant.

Für weitere Informationen kommen Sie gerne auf uns zu!

 

Die Partner: Secure Automotive Cloud mit der richtigen Unterstützung implementieren

Sulzer ist ein Automotive-Experte und Full IT Service Provider: Seit 1978 inhabergeführt und langjähriger Partner zahlreicher internationaler Premium Automobilhersteller.

Die TCI Partners sind Transformationsspezialisten und unterstützen seit Jahren erfolgreich Mittelstandsunternehmen im Fertigungsbereich. Als Prozessexperten befähigt die TCI ihre Kunden, mit Standardprozessen Cloud Services noch besser und mit geringem Aufwand zu nutzen.

Beide Partnerunternehmen verknüpfen innovative Themen wie Industry 4.0, Smart Factory und Blockchain erfolgreich mit ERP-Systemen.

 

Über Bernd Ettelbrück

Bernd Ettelbrück ist Partner der TCI und erfahrener Business Head. Im Bereich des Produktmanagements liegen seine Schwerpunkte unter anderem auf Industrie 4.0, Cyber Security, ICT Value Added Services sowie Business Case und Innovation Management.

 

(Coverbild: © Sulzer)

TCI Redaktion